Steinbildhauerei in Vamberk
(Bildhauergeschlecht Mielnický)
Im Adlergebirge war Stein das meist gebrauchte Baumaterial. In der Barockzeit begann man, Stein, vor allem Sandstein, in der künstlerischen Produktion zu benutzen. In der ostböhmischen Region wurden Skulpturen in einigen Steinbildhauerwerkstätten produziert. Eine der ältesten ist die Werkstätte des Geschlechts Mielnický aus Vamberk. Die Werkstätte mit reicher Produktion, die mehr als zweihundert Jahre in einer geschlossenen Region (mindestens sechs Generationen Steinmetzer – Bildhauer) besteht. Berühmte Repräsentanten dieses Geschlechts dekorierten die Stadt und die Umgebung, vor allem das Vorland des Adlergebirges, mit wertvollen Barock-, Rokoko- und später auch mit Empirestatuen. Auf einigen Prachtstücken aus Stein ist die Durchdringung verschiedener Baustile in die Bildhauerei zu verfolgen. In Vamberk selbst errichtete die Familie im Laufe der Zeit gegen zwanzig Skulpturen und Skulpturgruppen. Später kamen mindestens zwanzig Skulpturen in verschiedenen Stilen von nicht weniger berühmten Autoren dazu (z.B. Harnach, ak. Bildhauer František Bílek, Bildhauer Koukol, Bildhauer Kalvoda). Eine Menge Denkmäler in der gleichen Gestaltung ist auf dem alten Friedhof in Vamberk und auf alten Judenfriedhöfen in Vamberk, Rychnov nad Kněžnou, Dobruška usw. zu finden.
Matěj - Mates Mielnický (gegen 1668 – 28.12.1725), läßt sich in der Vorgebirgsstadt Vamberk nieder, um hier eine Existenz für sich und folgende Geschlechtsgenerationen zu gründen, Stadtratsmitglied, seine ältesten berühmten Meisterstücke sind: die Mariansäule aus dem Jahre 1699 in Vamberk in Závrší, die Mariansäule auf dem Marktplatz in Solnice, die Mariansäule in Kostelec nad Orlicí u.a.
Jan Ignác Mielnický (24.6.1702 – 19.4.1774) der älteste Sohn von Matěj, sein Fortsetzer, Geselle von Ondřej Decker – erfahrener Meister – nahm Mielnický im Jahre 1736 zur Vollendung der Mariansäule mit der Skulpturgruppe der böhmischen Patronen in Dobruška, im Jahre 1740 errichtete er den Brunnen in Litomyšl, in Vamberk errichtete er im Jahre 1735 die Statue von Jan Nepomucký, und wahrscheinlich auch die Statue von Jungfrau Marie, die Statue von Kristus an der Säule in Tyršova Straße, und dann folgten Zehner Skulpturen im Vorland des Adlergebirges; seine Wahl zum Bürgermeister zeugt über die geachtete Stellung von Ignác Mielnický in der Gesellschaft der Stadt.
František Antonín Mielnický sen. (2.5.1718 – gegen 1780), lernte beim älteren Stiefbruder Ignác, hatte angeborenes Maler- und Schnitztalent, durch den Meister bester Qualitäten (voraussichtlich von Pacák) studierte er Werke berühmter Prager Bildhauer, vor allem das Schaffen von Matyáš Braun, ist Autor einer ganzen Reihe von Plastiken im Vorland des Adlergebirges, stand als Meister der Gesellen bei der Vollendung der Skulpturgruppe der heiligen Anna in Vamberk (in Richtung nach Doudleby). Sein berühmtestes Kunststück ist der sog. Grüne Kreuz zwischen Rychnov n. Kn. und Uhřínov; voraussichtlich nach einem der letzten Entwürfe von F.A. Mielnický entstand im Jahre 1780 in der Werkstätte in Vamberk die Skulpturgruppe Kreuzigung für die Gemeinde Peklo nad Zdobicí – voraussichtlich sein letztes wertvolles Meisterstück.
Jan Josef Mielnický sen. (15.3.1741 – gegen 1800), Sohn von Jan Ignác, Begründer des nächsten Familienzweiges und Fortsetzer der Stein-Bildhauerkunst. Die Steinarbeiten baten in der Zeit nicht genug Ernährung für den Meister und einige Hilfsarbeiter und Lehrlinge das ganze Jahr hindurch, Jan Josef half voraussichtlich in der Familienwerkstätte einem seiner Verwandten und dabei bewirtschaftete er ererbte Grundstücke, nahm an der Ausstattung des Rokokoschlosses in Nové Hrady bei Vysoké Mýto teil.
František Antonín Mielnický jun. (1751 - †?) lernte bei seinem Vater mit hochentwickelter Handwerktechnik, sein Lieblingsstil war Klassizismus, seiner Geburtsstadt Vamberk schenkte er die Plastik von Kristus im Gefängnis (1780), die Skulpturgruppe der heiligen Anna unterhalb der Kirche (1777). Der Meister hatte keinen männlichen Nachkommen, politische Unsicherheiten um die napoleonischen Kriege beeinflussten negativ auch die Produktion der Steinmetzwerkstatt der Familie Mielnický in Vamberk.
Jan Josef Melnický jun. (23.3.1767 – 10.2.1817), arbeitete in der Familienwerkstätte, voraussichtlich beschäftigte er sich mit technischen und Nutzsteinarbeiten. Eine interessante Nachricht finden wir in der Sterbematrik von Vamberk gegen 10. Februar 1817, dass Jan Josef Melnický * 23.3.1768, +10.2.1817 „unversehens im Felsen verschüttet“ – höchstwahrscheinlich handelt es sich um den Steinbruch an der Katastergrenze von Merklovice – Záměl.
Karel Antonín Melnický (14.5.1770 - 1821), Fortsetzer der Geschlechtstraditionen, in Vamberk vollendete er den Grabstein der Familie Procházka bei der St. Barbora Kirche; zu seinen meist gelungenen Kunstwerken gehören die Jungfrau Marie, Plastik aus dem Jahre 1814 in Rybná nad Zdobnicí und der Grabstein des Geschlechts Wimmer auf dem alten Friedhof in Rychnov nad Kněžnou (1805).
Josef Matěj Melnický (24.2.1778 – 5.8.1853), Sohn von Jan Josef, lernte in der Geschlechtswerkstätte in Vamberk, Berufserfahrung im Ausland, Fortsetzer der Geschlechtstraditionen; seine berühmtesten Kunstwerke sind die Pietät in Kačerov aus dem Jahre 1803, die Martersäule mit Marianrelief in Vamberk aus dem Jahre 1821.
František Melnický (22.4.1799 - †?), Sohn von Jan Josef, ebenfalls Steinmetz, machte Zeichnungen und Berechnungen für den Brunnen auf dem Alten Marktplatz in Rychnov nad Kněžnou.
Karel Melnický (7.12.1803 – 14.4.1853), Sohn von Josef Matěj, in seiner Hauswerkstätte lernte er Steinmetz und ging weg, um Berufserfahrung zu gewinnen, kam nach Vamberk nicht mehr zurück. Im Jahre 1834 restaurierte er die Dreifältigkeitssäule auf dem Hauptplatz in Olomouc und im Jahre 1835 eröffnete er in Olomouc eigene Steinmetzwerkstätte.
František Jan Melnický (13.11.1822 – 1.2.1876), Sohn von František, schon in seinem frühen Alter ging er von der Steinmetzwerkstätte seines Vaters zum Onkel Karel Melnický nach Olomouc, später nach Wien über, Schüler vom Prof. Kliebert, studierte an der Kaiserakademie der bildenden Künste, seine Werke wurden mit vielen Kunstpreisen gewürdigt, seine Werke stellte er in der Weltausstellung in Wien aus, in Wien eröffnete er sein Atelier für dekorative Bauplastiken, seine Skulpturen finden wir im Kaiserschloss in Wien, im St. Marketas Dom in Wien, an der Frontseite des Bahnhofes in Wien Allegorie der Städte Wien, Brno, Pest und Prag, dekorierte das Wiener Konservatorium, eine Reihe von Kunstwerken auf dem Lande in Österreich und in Deutschland, Mitglied der Akademie der bildenden Künste und Mitglied der Kommission für Bildhauerei.
Ernest Thomas Karl Melnitzki (4.11.1838 – 6.4.1889) der älteste Sohn von Karel Melnický, lernte Handwerk bei seinem Vater in Olomouc, führende Stellung unter den Steinmetzern und Bildhauern bei der Vollendung des St. Mořic Doms in Olomouc im Jahre 1886, Autor von vielen Denkmälern des Stadtfriedhofs in Olomouc.



